Die Dekohärenz sozialer Systeme

by Tim Bruysten on 13. August 2009

in Mensch

Die Geschwindigkeit der Manifestierung konkurrierender konkreter sozialer Formen ergibt sich aus den Freiheitsgraden soziologischer Systeme miteinander zu wechselwirken. Dieser Gerinnungsprozess von Ideen bildet die Stufen der Evolution. Werkzeuge solcher Systeme müssen zur Beschleunigung dieses Prozesses die Sicht auf neue, qualitativere kommunikative Bahnen zumindest freigeben. Die Vereinigung der kommunikativen Bahn mit einem ausreichend starken Attraktor kann der bewussten und gewollten Evolution Vortrieb sein. Die Automotivation einer Gattung zur Selbstverbesserung.

Den Fehler, der sich an dieser Stelle anbietet, anzunehmen, eine bewusste Fortentwicklung könne der natürlichen Selektion Ende sein, sollte man nicht begehen. Unter abstrakteren Gesichtspunkten sollte vielmehr der Frage nachgegangen werden, ob das menschliche in die Hand nehmen der eigenen Ektropie überhaupt von aussen differenzierbar ist.

Um diesen ersten Gedanken weiter voranzutreiben, soll aber eine Binnenqualifizierung der Wechselwirkungsprozesse erfolgen. So stehen sich die Wechselwirkungen von Gruppen untereinander und von Individuen untereinander nicht gegenüber – jedoch könnte ein anderes Widerstands- oder Kontrollverhalten der Wechselwirkungsvorgänge auf einer eher biologischen Seite anders zu gewichten sein, als ein solches auf Ebene des intellektuellen Lernens.

Meine These, dass der sozial-osmotische Druck, der eine Gruppe zu einer Wechselwirkung mit einer anderen veranlasst höher ist als der der auf ein Individuum wirken muß, mit einem anderen Individuum oder auch einer Gruppe in Austausch zu treten, sollte insbesondere im Kontexte digitaler Werkzeuge und deren Nutzungsstrategie in Institutionen untersucht werden. Eine besonders spannende Frage in diesem Kontext ist, ob die gedachte memetische  Membran, die ein Individuum überwinden muss, um einen Wechselwirkungsprozess mit einem Individuum oder einer Gruppe zu initialisieren durch die Quantität (und die Heterogenität?) der virtuellen Netzwerke deren Mitglied es ist, dicker oder dünner wird.

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